8. September 2021

Liebes Tagebuch,

heute erzähle ich Dir für mich eine kleine, lustige Geschichte, die vor allem vor MICH lustig war.

Du weißt ja, dass ich seit vielen, vielen Jahren „meinen“ Sascha pflege. Er hat vor vielen, vielen Jahren einen schweren Unfall gehabt und dabei einen hohen Querschnitt erlitten. Dadurch bedingt kann er nunmal nicht eben aufstehen oder seine Hände und Arme benutzen, sondern liegt zu Bett, so wie wir ihn nach seinen Wünschen gelagert haben. Letzte Tage war ich bei ihm und fahre elektrisch das Rollo an seinem Fenster etwas hoch. Da bemerkte ich an der letzten Lamelle eine wirklich, richtig dicke, riesige Spinne, tiefschwarz. Ich habe ja eigentlich keine Angst oder Ekel vor Spinnen, aber die war richtig schauderlich. Er bemerkte sofort meinen Blick und schaute auch nach oben, hinter seinem Kopf zum Rollo und sah die Spinne auch. Ich sagte ihm dann so: „Dann wollen wir mal das Fenster öffnen und für frische Luft sorgen.“ Er antwortete darauf deutlich: „Nein, das bleibt zu!“ Ich erklärte im daraufhin mit einem süffisanten Lächeln die Wichtigkeit der Frischluftzufuhr. Erklärte ihm auch, dass er ja bestimmt keine Lungenentzündung bekommen wolle und dass es deshalb wichtig wäre, dass er mehrmals täglich frische, sauerstoffreiche Luft ein- und ausatmet. Er antworte darauf wieder: „Das Fenster bleibt zu!“ Da er mich oftmals während der Pflege etwas ärgert, war dieses meine Retourkutsche, um ihn ein bisschen zurück zu foppen.

Bei allem Ernst der Lage mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit ist es doch schön, die lustigen Dinge des Tages wahrzunehmen und zu genießen. Daraufhin erzählte er, dass er vor Jahren schonmal eine so dicke Spinne an der Wand hatte, die sich Richtung seines Bettes bewegte. Seine Frau schlief und somit redete er immer nur auf die Spinne ein: „Lauf zur anderen Seite, lauf zur anderen Seite.“ Irgendwann hatte das wohl auch geklappt und er war somit gerettet, und froh, weil er seine Frau mitten in der Nacht nicht wecken musste.

Deine Stephanie Fricke

11. August 2021

Liebes Tagebuch,

wie Du gerade auf der Startseite gelesen hast, haben wir auf der Startseite Tipps von der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aufgezeigt, wo jeder sich Broschüren, Karten oder Plakate zu gesundheitlichen Themen kostenfrei bestellen kann, wie zum Beispiel: „Aktiv, mit Bewegung, gesund durchs Leben zu gehen“.
Anhand dieses Informationsmaterials beraten wir unsere Patienten. Denn sich bewegen ist der Schlüssel zur Vermeidung vieler Folgeerkrankungen. Mobilität verringert das Risiko von Stürzen, sich wund liegen, Lungenentzündungen und mehr. Oftmals stoßen wir auf offene Ohren und großes Interesse bei unseren Patienten, die sich dann wirklich das Info-Material passend hinlegen und anhand von Bildern die Übungen nachmachen.
Aber wir treffen auch oft auf Patienten, die so gar keine Lust haben und direkt in eine abwehrende Haltung gehen. Und ich muss zugeben, ich würde auch dazu gehören. Ich bewege mich sehr viel und den ganzen Tag. Ich fahre Fahrrad, gehe regelmäßig schwimmen, arbeite im Garten und mache regelmäßig meine Gymnastik. Aber auch bei mir ist es so: Wenn jemand kommt und es eigentlich ja gut meint mit mir, empfinde ich es oft so als eine Belehrung und Eingriff in mein Leben. So wie einige Patienten auch. Dieses müssen wir nun einmal akzeptieren. Der Mensch ist schwach. Es ist leichter, den Genüssen nachzugehen und gemütlich auf der Couch zu liegen, vor dem Fernseher, als sein Sportprogramm durchzuziehen.

Deine Stephanie Fricke

P.S. Aber vielleicht wird der ein oder andere doch neugierig und informiert sich auf der Website der BZgA und wird anhand der Broschüren aktiv.

2. August 2021

Liebes Tagebuch,

vor einigen Jahren habe ich einen Mann zur Pflege aufgenommen. Wir haben uns auch von Anfang an gut verstanden und da wir ja auch verpflichtet waren, damals richtig ne Biographie zu schreiben, frage ich gerne während der Pflege schonmal so einige Dinge ab, damit es sich anhört wie ein Verhör. Mir ist es ja mal passiert, dass eine Dame mir keine Auskunft geben wollte, weil sie Angst hatte, dass ich mich dann ja bei der Pflege nicht mehr mit ihr unterhalten würde. Und wenn es dann einmal ein ganz gutes Verhältnis ist, egal ob ich einen Mann oder eine Frau pflege, frage ich auch immer ganz direkt: „Haben Sie ihren Ehepartner betrogen.“ Zum Glück sagen 95% nein. Aber es gibt auch ein paar, die sagen: „Ja!“ Vor vielen Jahren hat mir eine Frau mal gesagt, dass solle ich aber nicht aufschreiben, weil auch ihre Kinder das nicht wissen und auch nicht erfahren sollen. Dieses Mal war es eben dieser Mann, dem auch diese Frage stellte. Und er äußerte: „Ja, muss ich leider zugeben. Ich habe meine Frau zweimal betrogen.“ Natürlich schimpfte ich mit ihm (mit einem Lächeln – denn es steht mir ja gar nicht zu zu urteilen). Daraufhin erzählte er, dass sie früher nach der Arbeit immer in der Kneipe waren und der Wirt hatte zwei Töchter. Und die hießen Leni und Resi und ich brach vor Lachen zusammen. Und ich meinte zu ihm: „Und da haben Sie beide Töchter vernascht?“ Aber er sagte ganz schnell: „Nee, nee, nee, nur mit der Leni bin ich zweimal im Keller verschwunden.“ Er wüsste auch, dass er sich damit nicht gerühmt hat und er würde sich auch heute noch dafür schämen.
Und, liebes Tagebuch, wie die Geschichte weitergeht, erzähle ich Dir das nächste Mal.

Deine
Stephanie Fricke

26. Juli 2021

Liebes Tagebuch,

ich habe Dir schon einmal darüber berichtet, wie ich morgens früh zum Dienst fahre und das Lied mit der Textzeile höre: „Hallo, hallo, bist Du auch so gelangweilt?“ und ich gedacht habe, nee, Langeweile habe ich ganz bestimmt nicht. Letzte Tage, auf dem Weg zum ersten Patienten, sagte der Moderator im Radio: „Kommen Sie auch gut mit uns durch die Nacht.“ Da war ich ganz erschrocken und dachte: „Wieso Nacht? Es ist morgens.“, schaute auf meine Uhr im Auto und sah 5 Uhr 55. Da habe ich mir so gedacht, wie schrecklich ist es doch, so früh schon unterwegs sein zu müssen. Viele Patienten warten dann aber schon auf uns. Sie sind schon lange in Rente und könnten lange schlafen, sind aber absolute Frühaufsteher. Also nützt das nichts, wir müssen früh raus.

Als ich meiner Kollegin Olga davon erzählte (sie fängt immer um 8:00 Uhr an in der Verwaltung), fragte sie mich. „Ist es so früh denn schon hell?“ Da sie erst um acht Uhr anfängt, steht sie natürlich entsprechend spät auf und dann denke ich kurz (nur ganz kurz): „Du hast in Deinem Leben doch etwas falsch gemacht.“

Deine Stephanie Fricke

16. Juli 2021

Liebes Tagebuch,

ich habe Dir doch die Geschichte erzählt von meiner Kollegin Danny, die einen Mann begleitet hat bis zu dem Zeitpunkt, an dem er friedlich eingeschlafen ist. Meine Kollegin Claudia erzählte uns daraufhin ihre Geschichte.

Zu Beginn Ihrer Tätigkeit im Pflegeteam Mobile Pflege war sie ausschließlich in der Hauswirtschaft eingesetzt. Damals hat sie aber  ganz intensiv eine Patientin betreut. Und wie das Schicksal so will, ging es ihr immer schlechter und der Tod war nah. Zum damaligen Zeitpunkt haben wir dann bei der Patientin Nachtwache geleistet und Claudia wachte mit, um sich von dieser Dame zu verabschieden. Schwester Lilli und ich unterstützten sie damals. Am Morgen ist diese Patientin dann ganz friedlich zu Hause für immer eingeschlafen, so wie es ihr Wunsch war. Claudia erzählte uns, das war für sie der Grund und die Motivation von der Hauswirtschaft in die Pflege wechseln zu wollen um noch näher bei den Patienten sein zu können und auch eine Begleitung bis in den Tod leisten zu können. Die Sterbebegleitung der Dame hatte sie so berührt, dass sie jetzt mitten in der Pflege arbeitet. Etwas, was sie sich früher nie vorstellen konnte. Und auch keine Gedanken daran verschwendete. Heute füllt sie diese Aufgabe völlig aus.

Wir erleben viele lustige aber auch traurige Momente. Und auch die traurigen Momente können einem aber auch unheimlich viel geben.

Deine Stephanie Fricke

Nächste Einträge »


Impressum
how does cialis cost - when will generic viagra be available - buy online cialis - canadian international pharmacy association - cialis is expensive - can you buy viagra over the counter - canada pharmacy online rx