22. November 2019

Liebes Tagebuch,

es gibt etwas, was ich in meinem Leben nicht mehr lernen werde: In den meisten Mehrfamilienhäusern gibt es vor jeder Wohnungstür zwei Schalter. Auf dem einen Schalter ist eine Glühbirne abgebildet und auf dem anderen eine Glocke. Die Glühbirne steht natürlich für Flurlicht und die Glocke für die Klingel der jeweiligen Wohnung. Beim Reingehen ins Haus ist es noch einfach, weil es direkt an der Haustür im Flur nur einen Lichtschalter gibt. Beim Verlassen der Wohnung möchte ich das Flurlicht anmachen und verwechsele mit einer Chance von 98% die Glocke mit der Birne und klingel jedesmal beim Patienten erneut. Nach dem dritten Besuch lachen die Patienten dann schon und sagen mir, dass sie schon auf das Klingeln warten – obwohl ich ja weggehe. Und ganz schwierig wird es, wenn ich mehrere Stockwerke nach unten muss und das Flurlicht nur minimal kurz an bleibt, ich dann noch nicht ganz unten bin und mir erneut einen Lichtschalter suchen muss. Ich habe also oftmals dann auch Glocke mit Birne verwechselt. Und glaube mir, liebes Tagebuch, ich kann dann verdammt schnell rennen und die Treppe runter eilen. Und somit bekommen die Nachbarn Klingelmännchen morgens um kurz nach sechs.

Deine Stephanie Fricke

8. November 2019

Liebes Tagebuch,

warum gibt es so vieles nicht mehr? Letzte Tage war Weltspartag. Aber ehrlich gesagt, wer spart denn noch, weil Zinsen gibt es doch gar keine mehr. Und Sparbücher auch schon nicht mehr. Aber ich gehöre doch noch zu der alten Generation, die so gerne ein Sparbuch in der Hand hat. Seitdem ich denken kann, bin ich Besitzerin von einem Sparbuch. Mein erstes im Leben besitze ich sogar heute noch – das blaue Jeans-Sparbuch. Mit einem unglaublichen Guthaben (handschriftlich eingetragen) von sage und schreibe 2,28 DM (Deutsche Mark)!

Bis zum heutigen Tage zahle ich immer noch Geld auf mein Sparbuch ein. Jede Woche geht mein Kleingeld aus der Hosentasche in mein Sparschwein, das in der Küche steht. Wenn das dann voll ist, bringe ich dieses (so wie ich und die meisten es gelernt haben) zur Bank und zahle es auf ebendieses Sparbuch ein.
Nicht alles Neue ist auch wirklich immer besser. Schade ist auch wenn wirklich lieb gewonnene Traditionen nicht mehr gelebt werden.

Deine Stephanie Fricke

5. November 2019

Liebes Tagebuch,

bei wöchentlichen Dienstbesprechungen reden wir auch gerne über unsere Patienten. Mal fällt dem einen etwas auf, mal dem anderen. Wir reden darüber, wie die Pflege sich gestaltet, ob wir etwas verändern sollten oder ob alles so gut ist, wie es ist. Bei einer der letzten Dienstbesprechung sprachen wir über einen Herrn, den wir schon sein ein paar Monaten in der Versorgung haben. Am Anfang konnte er keinen Schritt laufen und musste zum Bespiel auch mit einem Lifter vom Bett in den Rollstuhl gesetzt werden. Mittlerweile hat er sich ganz gut erholt. Er ist wieder zu Kräften gekommen und übt auch fleißig mit seiner Krankengymnastin. Und auch wir üben immer mit ihm. Das heißt, der Rollstuhl wird nicht direkt neben das Bett gestellt sondern ein Stück weiter entfernt und der Herr muss dorthin laufen. Die Entfernung wird natürlich jedes Mal etwas vergrößert, so dass immer mehr Schritte zu bewältigen sind. Heute sprachen wir genau über diese Situation. Und eine Kollegin äußerte, dass sie sich noch nicht zutraue so weit mit ihm zu laufen. Daraufhin meinte eine andere Kollegin eifrig, sie würde inzwischen mit ihm sogar vom Esszimmer bis zum Schlafzimmer gehen. Sie reicht ihm beide Hände und er läuft wunderbar Schritt für Schritt und sicher, so dass keiner Sorge haben muss, dass der Mann dieses nicht mehr schafft.

Wir finden solche Besprechungen zum Wohle unserer Patienten unglaublich wichtig und nützlich. Denn nur mobilisierte Patienten haben kein Risiko sich wund zu liegen, Lungenentzündungen, Kontrakturen oder ähnliches zu bekommen. Bei der MDK-Prüfung spielen unsere Besprechungen überhaupt keine Rolle. Sie werden nicht kontrolliert, es werden die Besprechungs-Protokolle nicht durchgelesen oder gar zur Kenntnis genommen. Dass alles interessiert nicht – leider. Aaaber, was zum Beispiel „wichtig“ ist, wonach der MDK jedes Mal fragt, ist ob ich in meinem Pflegedienst ein Beschwerdemanagement habe oder ob auch wirklich Beschwerden an uns herangetragen werden. Natürlich haben wir Beschwerden, wie jedes andere Unternehmen auch. Es wäre auch unnatürlich, wenn wir dieses nicht hätten. Aber leider wird unserer Engagement zum Wohle der Patienten in Form von ebendiesen Besprechungen nicht gewertet.

Deine Stephanie Fricke

20. Oktober 2019

Liebes Tagebuch,

heute erzähle ich Dir eine schöne, kleine Geschichte aus meinem Büroalltag. Da wir jeden zusammen frühstücken „mit alle Mann“, kaufe ich immer frische Lebensmittel ein, wie Brot, Brötchen, Aufschnitt, Käse, Obst und Gemüse. Manchmal fallen mir so kleine Leckereien noch ein wie Müsliriegel oder besonderes Brot wie Pumpernickel. Wir sitzen also gemütlich zusammen beim Essen und ich biete meiner Kollegin Karin das von mir mitgebrachte Pumpernickel an. Ihre Reaktion darauf war: „Ne, lass mal, da habe ich 25 Jahre neben geschlafen.“ Da mussten wir doch alle etwas lachen und waren erstaunt. Wir fragten auch sofort, warum sie denn 25 Jahre neben einem Pumpernickel geschlafen hat. Sie erklärte uns, dass ihr Mann ja Bäcker war, dass er 25 Jahre lang Pumpernickel gebacken hat und dass selbst nach dem Duschen der Geruch des Pumpernickels noch an dem Körper des Bäckers hängt. Und somit hat sie zu jeder Tages- und besonders Nachtzeit den Geruch von Pumpernickel um sich gehabt. Und das hat ihr halt den Appetit darauf verdorben.

Zuviel von einem ist auch nicht gut.

Deine Stephanie Fricke

11. Oktober 2019

Liebes Tagebuch,

das wollte ich Dir schon immer mal erzählen: Wir in der Pflege sagen immer: „Was auf der Arbeit passiert, bleibt auch auf der Arbeit.“ Wenn jemand so etwas zu mir sagt, antworte ich immer: „Du glaubst doch nicht, dass irgendjemand mir glauben würde, wenn ich erzähle, was wir tagtäglich erleben.“

Deine Stephanie Fricke

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