23. August 2019

Liebes Tagebuch,

es gibt Tage, da ist man eine halbe Stunde unterwegs in der Pflege, da könnte man direkt wieder Feierabend machen, weil alles schief geht. Und dann gibt es Tage, die sind wunderschön.

So einen Tag hatte ich letztens. Ich war ausgeschlafen, hatte gute Laune, mit den Patienten hat alles super geklappt und dann musste ich noch ein wichtiges Telefonat mit meiner Anwältin führen. Denn ich wollte auf eine Situation, die evtl. auf mich zu kommen würde, gut vorbereitet sein. Meine Anwältin äußerte zu mir: „Wenn ich vor jemanden in der Geschäftswelt höchsten Respekt habe, dann sind es Sie, Frau Fricke. da sie immer zwei Schritte voraus denken!“ „Oh“, habe ich gedacht, „so ein Kompliment tut einem natürlich richtig gut.“ Mittags war ich dann bei meinem langjährigen Patienten. Und wir ärgern uns auch immer so gegenseitig etwas. Und dann sag ich ihm: „Du bist schon ein armer Kerl.“ Da schaute er mir ganz ernsthaft in die Augen und antwortete: „Wenn Du an meinem Bett stehst, nicht.“

So liebes Tagebuch, und dass alles war an einem Montag Morgen. Da habe ich gedacht: „So kann jede Woche beginnen.“

Deine Stephanie Fricke

16. August 2019

Liebes Tagebuch,

heute erzähle ich Dir eine Geschichte, die mir wieder eingefallen ist. Im Laufe meines Berufslebens habe ich viele kleine, schöne Anekdoten, Erlebnisse und Gegebenheiten erzählt bekommen, die ich dann völlig vergesse und dann fallen sie mir wieder ein und ich erschrecke ich mich vor meinem eigenen Gedächtnis.
Heute habe ich eine solche Geschichte, die mir wieder eingefallen ist. Von einem Herrn, die er mir vor vielen Jahren berichtete. Er erzählte mir, als er in der Ausbildung war, so mit 14, 15, beobachtete er immer ältere Herren, die draußen saßen, Karten spielten und Schnaps tranken. Das fand er immer so toll. Gemütlich beisammen sitzen und sich sogar einen Schnaps leisten können. Und er dachte sich, wenn ich älter bin, möchte ich das auch. Weiter erzählte er, dass die Jahre vergingen. Er hat dann geheiratet, Kinder bekommen, ein Haus gebaut und hatte gar keine Zeit, auf einem Nachmittag einfach mal so rum zu sitzen. Im Alter hat er dann gedacht, jetzt bin ich alt genug für Schnaps, ich hab Zeit genug um Karten zu spielen und Geld genug, um mir Schnaps kaufen zu können. Aber nun kann ich ihn nicht mehr vertragen.

Fazit: Nutzt die Zeit und die Gelegenheiten – verschiebt nichts auf irgendwann einmal…

Deine Stephanie Fricke

5. August 2019

Liebes Tagebuch,

letzte Tage war ich bei einer älteren Dame morgens beim Einsatz zur Pflege. Sie ist sehr schwerhörig und die Kommunikation gestaltet sich immer sehr schwierig. Denn Sie möchte erst nach dem Waschen und nach dem Anziehen ihre Hörgeräte anlegen. Somit versteht sie oftmals nur die Hälfte von dem was wir aussprechen oder auch mal was ganz anderes. An dem besagten Morgen fragte ich sie: „Wie kommen Sie denn mit der Hitze zurecht?“ Sie antwortete mir: „Der Kevin ist sehr nett.“ Daraufhin sagte ich: „Nein, wie kommen Sie denn mit der Hitze zurecht?“ Sie fragte mich daraufhin: „Mögen Sie ihn nicht?“ „Doch, ich mag ihn sehr,“ äußerte ich und fragte nochmals: „WIE KOMMEN SIE IN DIESEM SOMMER MIT DER HITZE ZURECHT?“ Daraufhin antwortete sie: „Die find ich auch nett.“ Sie hatte mich also überhaupt nicht verstanden. Nur die Kommunikation, die daraus entsteht ist oftmals schon sehr lustig. Wir beschränken uns jetzt in der Unterhaltung und reden nur noch mit Händen und Füßen.

Deine Stephanie Fricke

22. Juli 2019

Liebes Tagebuch,

heute erzähle ich Dir eine kleine Geschichte von meiner Kollegin Larysa. Ich kann diese Geschichte nicht als lustig bezeichnen und auch nicht als traurig, sondern eher als ärgerlich.

Wir saßen beim Frühstück zusammen und sie erzählte, dass ihr Mann geblitzt worden ist. Und schimpfte dabei auch über ihn, dass er immer so schnell fahren muss und nicht aufpasst. Wie wir Frauen halt so sind…
Dann wollte sie los zur Mittagsversorgung unserer Patienten, stieg in ihr Auto, legte den Rückwärtsgang ein und gab Gas. Das Problem war nur, hinter ihr stand ein Auto und da fuhr sie drauf. Und dieses Auto hat auch deutliche Spuren von dem Aufprall abbekommen. Wir Kollegen mussten doch wahrlich versuchen, nicht lauthals zu lachen, denn Larysa tat uns schon etwas leid. Aber da sie morgens noch so über ihren Mann geschimpft hatte, musste sie sich den Spruch gefallen lassen: „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort.“

Deine Stephanie Fricke

15. Juli 2019

Liebes Tagebuch,

mein größtes Problem in der Pflege ist die Größe der Patienten. Wir Menschen werden immer größer und größer und mittlerweile kommt eine Generation, die mich bei weitem überwachsen hat. Was aber auch nicht schwierig ist, da ich ja nur 1,68 m hoch bin. Vor fast 30 Jahren hatte ich eine Heimbewohnerin zu pflegen, die genau so groß war wie ich. Und das war schon ungewöhnlich. Wenn sie vor mir stand, konnte sie mir in die Augen schauen. Und damals schon dachte ich wie groß sind und werden denn wohl ihre Nachfahren. Am gleichen Tag lernte ich die Schwiegertochter kennen. Die mich dann auch schon deutlich überragte. Ein paar Tage später kam der Enkelsohn zu Besuch und der musste dann schon, wenn er durch die Tür ging, den Kopf einziehen. Vor ein paar Wochen übernahm ich eine Neuaufnahme, sagte zu dem älteren Herrn, der vor mir gebeugt stand: „Machen Sie sich mal richtig groß – Po rein, Brust raus.“ Er streckte und streckte und streckte sich, bis er kerzengerade vor mir stand. Und da fragte ich, wie groß er denn sein. Zur Antwort bekam ich: „Eins 98“. Daraufhin sagte ich ihm: „Reicht…!“, und erklärte ihm, dass er sich zum Waschen dann wieder hinsetzen muss, weil ich sonst an den oberen Teil des Körpers nicht dran komme. Daraufhin lachte er und sagte, er würde mir durchaus entgegen kommen.

Aber bei dieser Geschichte über die Patientin von damals fällt mir doch noch etwas ein: Die Dame, die vor vielen, vielen Jahren schon so groß war, kam  neu zu uns auf den Wohnbereich und man roch sie im Flur schon deutlich. Da sie die letzten Wochen in verschiedenen Krankenhäusern verbracht hatte und sich dort auch nicht sehr wohl fühlte, lehnte sie jede Unterstützung bei der Grundpflege ab. Das hatte natürlich zur Folge, dass sie in einem sehr ungepflegten und geruchsintensiven Zustand zu uns kam. An dem Tag der Neuaufnahme hatte ich Spätschicht. Nachdem wir Kaffee und Kuchen verteilt hatten, sagte ich zu meinen Kollegen, dass ich jetzt erst mal die neue Mitbewohnerin die Badewanne stecken würde. Denn der Geruch war nicht nur mir und meinen Kollegen sondern auch den anderen Heimbewohnern aufgefallen. Und so etwas grenzt dann schon an Belästigung. Damals machte ich den Schrank auf und sah zweimal Badezusatz, zweimal Shampoo und zweimal Deo. Das Bild habe ich heute noch vor Augen. Mit genügend Hygieneartikel, frischer Wäsche und der Dame begaben wir uns ins Bad und sie ging auch bereitwillig in die Wanne. Sie ist von mir feste geschrubbt worden und die Haare hatte ich ihr auch zweimal gewaschen. Am nächsten Tag, als ich zum Dienst kam, war der Geruch auf unserem Wohnbereich schon besser, aber immer noch nicht gut. Also wiederholte ich nach dem Kaffee verteilen den Vorgang und sie wurde wieder von mir geschrubbt und die Haare mehrfach gewaschen. Am dritten Tag war der Geruch eigentlich schon recht gut. Da es die Vortage so gut geklappt hat, dachte ich den Erfolg der Hygiene zu verfestigen. Denn: Aller guten Dinge sind drei. Am Abend kam die Schwiegertochter wieder zu Besuch, war zwei Minuten im Zimmer und verschwand wieder. Wir dachten damals, das war ja ein kurzer Besuch. Aber nach einer guten halben Stunde war sie wieder da mit einem Blumenstrauß, um sich zu bedanken, da sie ihre Schwiegermutter wieder gut riechen konnte. Ihr war unsäglich peinlich, dass ihre Schwiegermutter in einem so schlechten hygienischen Zustand bei uns ankam. Wir erklärten ihr damals, dass manchmal die Situationen so sind: Krankenschwestern können niemanden gegen ihren Willen zwingen. Und Menschen, die vielleicht auch dementiell etwas verändert sind, können ihre Situation oftmals nicht einschätzen.

Mein Hinweis an alle Träger mit hellgrauen bis schneeweißen Haaren: Werden diese nicht regelmäßig gewaschen, werden sie gelb und sehen sehr unansehnlich aus. Bei regelmäßiger Pflege kommt das schöne grau oder weiß wieder zum Vorschein.

Deine Stephanie Fricke

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