9. Juli 2021

Liebes Tagebuch,

heute erzähle ich Dir eine kleine Geschichte über meinen Telefondienst im Büro. Viele Menschen rufen ja im Büro an, Patienten, deren Angehörige, Arzthelferinnen, Sozialdienste aus Krankenhäusern und viele mehr. Aber viele Firmen rufen auch an, die mir unbedingt etwas verkaufen wollen. Also, ich „brauche“ ja auf jeden Fall einen Wasserspender, ein Laminiergerät, Dienstkleidung, neue Autos und ganz wichtig: Eine Website. Und ohne alldem kann ich natürlich mit meiner Firma auch nicht überleben, so will mir das jeder Vertreter weismachen. Man erkennt sie schon an der Stimme. Mit einem freudigen: „Ach Frau Fricke, das ich Sie erreichen kann, schön Sie zu sprechen.“ Als wenn ein alter Freund anruft, den man lange nicht mehr gesprochen hat. Aus diesem Grunde habe ich auch schon lange keinen Anrufbeantworter mehr. Denn die Vertreter sprechen darauf, sagen natürlich nicht, worum es geht und bitten um dringenden Rückruf. Dann sitze ich da, schreibe alle Nummern und alle Gesprächspartner auf um dann die Rückrufe zu tätigen. Da stellt man aber leider fest, dass es doch nur wieder Vertreter sind. Damit war ich in der Regel jeden Morgen mehr als eine Stunde beschäftigt.
Letzte Tage kam aber der kurioseste Anruf. Es meldete sich mal eine nette Männerstimme. Wieder mit dem Worten: „Ach Frau Fricke, wie schön, dass ich Sie direkt am Apparat habe.“ Nannte auch seinen Namen und Firma. Da war mir direkt schon wieder klar, es war ein Vertreter für webdesign. Er erklärte mir weiterhin, dass er auf meiner Homepage wäre und ich eine ganz tolle Seite hätte, hat aber einen Charme von 2004. Ich fragte ihn, ob er denn glaube, dass er mit dieser Verkaufsstrategie, mein Produkt direkt zu Beginn zu bemängeln, weiter kommen würde. Ich habe ihm auch noch gesagt, dass ich denke, dass sowas nicht von Erfolg gekrönt sei und bei mir sowieso nicht. Habe ihm dann einen schönen Tag gewünscht und aufgelegt. Das Auflegen des Hörers ist ja eigentlich sehr unhöflich, aber leider bei dieser Art von Telefonaten unumgänglich. Wenn ich für jeden Anruf dieser Art ein paar Euros bekommen würde, wäre ich mittlerweile stinkreich.

Deine Stephanie Fricke

26. Juni 2021

Liebes Tagebuch,

Demenz ist doch ansteckend. Von meinem Funkschlüssel fürs Auto ist die Batterie leer. Jeden Morgen on tour ärgere ich mich maßlos darüber, weil ich immer mein Auto abschließen will und es natürlich nicht funktioniert. Ich natürlich aber auch schon losgelaufen bin, wieder umdrehen muss, um mein Auto manuell abzuschließen. Und immer wieder denke ich: „Heute Abend tauschst Du dann den Ersatzschlüssel und fragst Carsten, ober er bei dem Funkschlüssel die Batterie austauscht.“ Und jeden Abend vergesse ich dieses. Wenn ich zu Hause bin, liegt so viel an: Haushalt, Garten, Hunderunde, Kochen etc. Und dann ist der Schlüssel in meinem Kopf natürlich wieder vergessen. Und am anderen Morgen geht das gleich wieder von v0rne los. Aber gestern Abend habe ich es geschafft, daran zu denken, den Ersatzschlüssel zu nehmen und jetzt muss ich nur noch daran denken, Carsten zu bitten, mir eine neue Batterie in den Hauptschlüssel einzusetzen.

Manchmal macht man sich das Leben doch selber schwer.

Deine Stephanie Fricke

7. Juni 2021

Liebes Tagebuch,

letzte Tage saßen wir zusammen im Büro. Da erzählte Danny ihre schönste Geschichte seitdem sie beim Steverteam Mobile Pflege arbeitet. Sie berichtete, sie hatte Herrn W. lange gepflegt. Erst konnte er noch mit ihr durch die Wohnung laufen und sprechen. Mit der Zeit wurde dies immer weniger und er war dann schwerst pflegebedürftig. Dann kam die Zeit, wo man doch sah, dass er den letzten Weg seiner Reise gehen würde. Danny begleitete ihn auch auf dieser Reise. Sie erzählte, dass die Frau an der einen Seite und sie an der anderen Seite des Bettes saßen, die Ehefrau noch seine Wange streichelte und er dabei für immer eingeschlafen ist. Für Danny war das ein so bewegender, trauriger aber auch sehr schöner Moment, weil mit Hilfe des Palliativdienstes und des Pflegedienstes hatte die Familie es geschafft, dass dieser sehr alte und pflegebedürftige Mensch zu Hause in seinen vier Wände sterben durfte. Und das ist nicht zu unterschätzen. Jeder, der das Gefühl von Heimweh kennt, kann sich vorstellen, wie schlimm es ist, in einer solchen Situation nicht zu Hause sein zu können. Heute pflegt Danny seine Ehefrau. Die beiden kennen sich nun schon seit vielen, vielen Jahren. Und da gibt es kein Verhältnis mehr Pflegekraft/Pflegebedürftige, sondern es ist ein partnerschaftliches, freundschaftliches Verhältnis geworden.

Das sind die Geschichten und Momente, die uns die Motivation für unseren Beruf geben.

Deine Stephanie Fricke

14. Mai 2021

Liebes Tagebuch,

vor einiger Zeit hatte ich eine Neuaufnahme, einen älteren Herrn. Diesem Mann half ich morgens beim Waschen am Waschbecken. Als ich gerade dabei, ihm seinen Intimbereich zu pflegen, sagte er zu mir: „Sie haben den beschissensten Job aller Zeiten.“ Ich schaute ihn ganz erstaunt an und fragte, warum. Er antwortete mir: „Sie müssen fremden Leuten den Hintern waschen.“ Ich erklärte ihm, dass mir das nichts ausmacht, ob ich einen Hintern oder Füße wasche und dass ich ja auch Handschuhe anhabe. Und fragte ihn, was er denn beruflich gemacht hat. Er war Lokomotivführer. Daraufhin fragte ich ihn weiter, ob ihm denn mal passiert, dass ihm jemand vor seinen Zug gesprungen ist. Er äußerte: „Fünf mal. Und nach dem letzten Mal hab ich gesagt, jetzt reichts. Dann bin ich in Rente gegangen.“ Daraufhin fragte ich ihn: „Und wer hatte nun den beschissensten Job aller Zeiten?“ Er schaute mich nur erstaunt an und meinte: „Jou, da haben Sie recht.“

Deine Stephanie Fricke

30. April 2021

Liebes Tagebuch,

heute erzähle ich Dir eine kleine Geschichte von meinem Kollegen Carsten. Carsten reinigt bei uns die Dienstwagen, repariert im Büro und bei Patienten Dinge, die defekt sind und übernimmt Kurierfahrten. Letzte Woche kam seine Kollegin Carina auf ihn zu und erklärte ihm, dass ihr Auto wohl ein Loch im Reifen hätte, hinten rechts, und dass es auch so komisch fahren würde. Ich meine, mit der Beschreibung „so komisch fahren“ kann ein Handwerker natürlich so richtig viel anfangen. Aber er versprach ihr, danach zu schauen. Was er auch am gleichen Abend direkt tat. Somit schaute er sich den Reifen hinten rechts an, konnte aber keinen Luftverlust feststellen. Fuhr das Auto auch stückchenweise nach vorne, um die ganze Lauffläche zu kontrollieren. Aber er konnte immer noch nichts finden. Schließlich rief er Carina an um noch mal genau zu erfragen, um welchen Reifen es denn geht. Da äußerte sie ganz erschrocken am Telefon, dass sie nicht hinten rechts sondern vorne rechts meine. Also kontrollierte Carsten den Reifen vorne rechts. Aber auch dort war nichts festzustellen und rief Carina wieder an. Upps, sie meinte nicht vorne rechts sondern vorne links. Mit dem hatte Carsten dann die Faxen dicke und kontrollierte somit direkt die beiden linken Reifen, wieder Stück für Stück, um dann festzustellen, dass hinten links ein kleines Steinchen im Profil saß. Diesen konnte er mit zwei Fingern rausnehmen und somit war alles in Ordnung und auch das komische Fahrgefühl war beseitigt.
Anschließend sagte Carsten zum mir: „Das war typische Frauenlogik.“ Ich erklärte ihm, er müsse gaaanz vorsichtig sein, da die meisten im Kollegium bei uns ja Frauen sind. Aber leider musste ich ihn auch bestätigen.

Deine Stephanie Fricke

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