18.01.2021

Liebes Tagebuch,

meine Nachbarin ist eine richtig coole Frau. Sie spricht alle möglichen Leute an, wenn ihr danach ist. Hat überhaupt gar keine Hemmungen, läuft durchs Leben und freut sich. So manchmal habe ich schon gedacht, die Coolness hätte ich nicht. Heute erzählt sie mir eine kleine Geschichte.

Sie hatte Feierabend in Lüdinghausen und wollte mit dem Bus nach Hause. Da stand sie nun an der Bushaltestelle und wartete. Und dabei fiel ihr auf, dass sie ihre Maske (MNS) im Büro vergessen hatte. So, was nun? Zurücklaufen, die Maske holen und den Bus verpassen und eine Stunde auf den nächsten warten müssen, das ist natürlich Mist. Da kam ihr die zündende Idee. Ssie zufällig ein Bikini-Oberteil dabei. Kurzerhand faltete sie dieses, so dass ein Körbchen genau ihre Nase und Mund bedeckte und sie das mit den Trägern hinterm Kopf zusammen binden konnte. Somit ist sie ihrer Mund-Nasen-Bedeckung nachgekommen und konnte nach Hause fahren. Ich hätte mich das niemals getraut, da ich ja so eine kleine Nase und so ein großes Körbchen habe. Ich wäre in Grund und Boden versunken. Aber Ute denkt sich nichts dabei.

Liebes Tagebuch, ich habe ein Foto davon auf ihrem Handy gesehen. Es sah richtig gut aus und man konnte auch nicht erkennen, dass es kein MNS ist.

Deine Stephanie Fricke

22. Dezember 2020

Liebes Tagebuch,

heute erzähle ich Dir eine kleine, lustige Geschichte von meiner Kollegin Maria.

Da Maria schon 60 Jahre jung ist, hat sie ja einen Anspruch auf die drei kostenlosen FFP2-Masken aus der Apotheke. Sie ging also los und fragte auch nach ihren Masken. Die Apothekerin verlangte dann nach ihrem Ausweis. Sie musste beweisen, dass sie schon 60 Jahre alt ist. Maria fand das natürlich sehr schön und war geschmeichelt. Wir mussten auch alle herzlich lachen. Denn so mit 18 kennt man es ja, dass man sich ausweisen muss, dass man endlich 18 ist. Aber so mit 60 ist das doch eine andere Variante.

Auch wenn der Anlass natürlich sehr, sehr traurig ist, was zur Zeit in unserer schönen Welt passiert, gibt es doch immer wieder kleine, schöne Geschichten, die uns zum Schmunzeln bringen.

Deine Stephanie Fricke

25. November 2020

Liebes Tagebuch,

letzte Tage habe ich bei einer wirklich älteren Dame ein Neuaufnahmegespräch geführt. Bei so einem Gespräch frage ich auch immer nach biografischen Daten wie z.B. „Haben Sie eine Ausbildung gemacht?“, „Haben Sie geheiratet?“, „Haben Sie Kinder?“ usw. Und seit einigen Monaten habe ich mir angewöhnt, die Damen und Herren zu fragen: „Wer hat denn mehr gearbeitet früher, die Männer oder die Frauen?“ Die Frauen antworten immer sofort und direkt: „Wir Frauen natürlich! Wir haben Haus, Hof, Kinder und Mann versorgt und wir waren auch noch berufstätig!“ Wenn ich die Männer frage, kommt erst immer ein so: „Mmmmh…“ – ein kurzes Nachdenken und dann, wenn sie ehrlich sind, müssen Sie sagen: „Die Frauen.“ Schon erstaunlich, die Emanzipierung hat uns nicht viel gebracht. Nach wie vor sind die Frauen das Geschlecht mit der größeren Arbeitsbelastung. Haus, Hof, Kinder, berufstätig sein, den Mann glücklich machen und dabei noch gut aussehen.

Deine Stephanie Fricke

16. November 2020

Liebes Tagebuch,

da ist mir doch ein großer faux pas passiert: Ich habe mir neue Schuhe für die Arbeit bestellt, denn wir gehen ja auf den Winter zu und Corona bedingt lüften wir ja auch sehr viel. Und weil ich ja immer vorne im Büro sitze und unsere Tür meist offen steht, bekomme ich halt auch schnell kalte Füße. Somit bestellte ich mir also schöne, dicke, warme, grüne, neue Schuhe. Da hatten dann natürlich auch alle meine Kollegen und Patienten Verständnis für. Mein faux pas dabei war aber: Grüne Schuhe zusammen mit lila, flieder oder roten Kasaks geht ja nunmal gar nicht. Also musste ich ja noch einmal farbneutrale, graue, warme Winterschuhe haben. Als ich das dann meinen Kolleginnen und Patientinnen erzählte, hatten diese natürlich sofort Verständnis für mich. Als ich es aber meinen männlichen Patienten und Kollegen erzählte, schüttelten diese nur den Kopf. Meinten, ich spinne und ich würde nur übertreiben.

Wir Frauen verstehen uns halt.

Deine Stephanie Fricke

10. November 2020

Liebes Tagebuch,

Corona hat uns fest im Griff.
Fast täglich gibt es neue Verordnungen. Testpflicht, Test anbieten, pro Patient pro Woche, Mitarbeiter pro Woche oder bei Symptomen. Oder auch noch ein Testkonzept erarbeiten… Man weiß schon nicht mehr, wo einem der Kopf steht, wie man es richtig macht oder auch nicht. Wie leicht waren doch die AHA Regeln.

Unsere Jugend zuhause leidet massiv. Uni nur online, nicht rausgehen, kein Kino, keine Party, kein Club. Treffen mit Kommilitonen nur auf Abstand und so weiter. Ich persönlich komme bis jetzt zwar ganz gut durch. Ich vermisse unser wöchentliches Schwimmen gehen und natürlich die Ausfahrt mit dem Wohnmobil. (Zu geschäftlichen Zwecken ist Reisen ja erlaubt, da hatte meine Nachbarin mit einem Augenzwinkern die Idee: „Lass uns doch zum Outlet-Center nach Süddeutschland fahren. Das ist doch dann ein geschäftlicher Zweck.“)

So schlimm wie das für viele auch ist, aber solange wir gesund bleiben und wir wohl bald einen Impfstoff bekommen werden, können wir die Corona-Pandemie überstehen. Wir halten weiterhin durch und bleiben diszipliniert.

Deine Stephanie Fricke

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