19. Mai 2022

Liebes Tagebuch,
soeben gab es ja ein Gewitter, Regen und somit auch eine schöne Abkühlung. Heute aber auch gestern war es ja fürchterlich schwülwarm. Ich persönlich liebe ja so ein Wetter. Draußen sind es fast 30 Grad, im Auto haben wir fast 70 und in den Badezimmern unserer Patienten sind es auch gut 30 Grad, denn da läuft meist noch die Heizung. Wir leben in der Pflege nach dem Motto: „Wir machen einen auf Thunfisch – im eigenen Saft ohne Aufguss.“ Wichtig ist, dass unsere Patienten nicht frieren. Denn schwitzen tun wir bei solch einem Wetter sowieso, ob die Heizung nun an ist oder nicht. Aber am allerwichtigsten ist die Flüssigkeitsaufnahme bei diesem Wetter und dazu mehr auf der Startseite.

Deine Stephanie Fricke

13. Mai 2022

Liebes Tagebuch,
ich pflege eine wirklich betagte Dame. Diese Dame geht regelmäßig zur Tagespflege. Und immer an diesen Tagen sucht sie sich etwas besonders Hübsches zum Anziehen aus. Dann kommen dann die „guten“ Hosen zum Vorschein und der „gute“ Pullover und darunter wird noch eine schicke Bluse angezogen, damit der Kragen am Hals doch ordentlich aussieht. Letzte Tage war es wieder soweit – die Tagespflege stand an. Ich half ihr beim Waschen und Anziehen. Anschließend ging sie ins Wohnzimmer. Dort lagen zwei Ketten und sie fragte mich, welche denn farblich wohl besser zu ihrem Pullover aussehen würde. „Ja“, habe ich ihr gesagt, „je öller, je döller.“ Und ich fragte sie: „Sie haben mir doch mal gesagt, dass dort in der Tagespflege keine Männer sind.“ Für wen sie sich denn immer so schick machen würde. Darauf lächelte sie verschmitzt und sagte: „Man weiß ja nie, wen man so trifft.“ Es ist einfach die Interaktion mit dem Menschen, die mir so Spaß macht bei meinem Beruf. Und vor allen Dingen das Wahrnehmen unserer Senioren als Menschen mit Wünschen und Bedürfnissen. Was ich überhaupt nicht mag, ist wenn der Ausspruch kommt: „Oh, wie süß“ oder „Die Oma ist ja niedlich.“ Keine erwachsene Frau möchte als niedlich beziffert werden und auch im hohen Alter als Mensch wahrgenommen und respektiert werden.

Deine Stephanie Fricke

4. Mai 2022

Liebes Tagebuch,
fast täglich kommt mich eine nette Mitarbeiterin von Brief und Mehr besuchen, um mir die Post zu bringen. Am ersten Tag schaute sie verstohlen in unsere Süßigkeitenschale, die vorne auf unserer Theke steht, und fragte, ob sie sich wohl ein Bonbon nehmen dürfte. Ich antwortete: „Ja gerne, Sie dürfen sich auch zwei nehmen, eins für jetzt und eins für unterwegs.“ Ich versuche auch immer darauf zu achten, dass die Schale mit allerhand Leckereien gefüllt ist, weil nicht nur sie gerne nascht sondern auch alle anderen Brief- und Paketboten, sowie auch Patienten und deren Angehörige, die uns besuchen kommen. Natürlich naschen meine Mitarbeiter und ich auch gerne. Von daher ist die Schale zumeist schnell leer. Letzte Tage wollte die nette Dame von Brief und Mehr zu mir wieder ins Büro. Aber sie kam gar nicht so weit. Denn Jenny wollte aus Freundlichkeit ihr die Briefe vor unserer Tür abnehmen, damit die Dame sich den Weg spart. Ich sah dies und rief sofort: „Nein, nein, nein, Jenny, unsere Briefträgerin muss bis zur Theke laufen, sonst kann sie keine Bonbons naschen.“ Die Briefträgerin sagte: „Genau.“, nahm Jenny die Briefe wieder aus der Hand, kam bis zur Theke, legte die Post ab und nahm sich zwei Schokobonbons und sagte: „Eins für jetzt und eins für später.“, lachte und ging hinaus.
So kleine, freundliche Begegnungen im Leben ist doch das, was mir sehr viel Freude bereitet und unsere kleine Welt um uns herum ein bisschen glücklicher macht, wo doch gerade die große Welt so traurig und voller Gewalt ist.

Deine Stephanie Fricke

20. April 2022

Liebes Tagebuch,

nach langer Pause kann ich nun auch Dir wieder schreiben:

Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Zur Zeit wird ja alles teurer wie Energie, Strom, Gas, Diesel, Benzin aber auch Lebensmittel. Und gerade dann versucht ja jeder für sich den ein oder anderen Euro an der ein oder anderen Ecke zu sparen. Und so kam es, dass sich Claudia und Danny im Büro darüber unterhalten haben, dass man wunderbar das Wurzelstück von Frühlingszwiebeln, was ohnehin abgeschnitten wird weil zum Verzehr ungeeignet und zumeist dann in die Biotonne entsorgt wird, weiterverarbeiten kann. Nach den Einpflanzen dieses Wurzelstücks im Blumenkasten, Hochbeet oder im Garten schlägt die Frühlingszwiebel neu aus und lässt sie schön wachsen bis sie erntereif ist. Eine Woche später schickte Jenny der Claudia ein Foto. Diese hatte das Gespräch zwischen Claudia und Danny mitgehört und die Idee direkt am gleichen Tag umgesetzt. Die Bildunterschrift des Fotos lautete: „Es funktioniert wirklich.“ und man sah, wie die eingepflanzten Wurzelstücke der Frühlingszwiebeln fleißig gewachsen waren. Daraufhin schickte auch Danny ein Foto, weil sich bei ihren Pflanzen noch so gar nichts tat. Beim Anschauen des Fotos brachen alle vor Lachen zusammen. Sie hatte die Wurzelstücke mit den Wurzeln nach oben hin eingepflanzt und war fest davon überzeugt, dass Claudia ihr das so beschrieben hatte. Auf so eine unsinnige Idee kann nur Danny kommen. Eine Gemüsepflanze braucht schon ihre Wurzel in der Erde um dort wachsen und gedeihen zu können.
Da hätte sie lange warten können. Das wäre mit dem Sparen nichts geworden.

Deine Stephanie Fricke

P.S. Danny hat die Wurzeln nun richtig eingepflanzt und hofft auch Erfolg zu haben.